Tanzfabrik
Berlin
Bühne
Bühne

Unruhe

Video Streaming von Sergiu Matis
Im Rahmen von Open Spaces – Making It Happen #2

In seiner neuen Performance UNRUHE, zeichnet der Choreograf Sergiu Matis die Geschichte Europas anhand von antiken sumerischen, griechischen und römischen Mythen nach. Er erzählt dabei jedoch kein Epos von Göttern, Helden und dem Ursprung der Zivilisation, sondern eine Version vom Untergang der Welt. Im Setting einer nicht allzu fernen, postapokalyptischen Zukunft versuchen sich die Protagonist*innen von UNRUHE anhand überlieferter digitaler Daten und Mythen daran zu erinnern, was es bedeutet, Mensch zu sein und wie gesellschaftliches Zusammenleben funktionieren kann. Inszeniert als rauschendes Chaos und präzise arrangierte Zufälligkeit stellt UNRUHE die Frage: Welche Vergangenheiten prägen die Gegenwart und welche Erinnerungen formen Identitäten?

Die Choreografie der Tänzer*innen navigiert entlang der Schnittstelle zwischen erzähltem, gesprochenem Text und seiner performativen Übersetzung in übersteigerte körperliche Bewegung. Erinnerungen, Relikte und Jahrtausende alte Verse werden mit einem ökofeministischen Blick betrachtet und in Gesten und Tanz entziffert – und so die Grundlagen des westlichen Denkens und die gesellschaftliche Realität unserer Gegenwart kritisch reflektiert.

Die Performance UNRUHE versteht sich als Manifestation unserer gegenwärtigen, prätraumatischen Gesellschaft: Die allgegenwärtige Angst vor einer ungewissen Zukunft – ob in Form des Klimawandels, rechtspopulistischer Tendenzen oder Kriege – wird performativkünstlerisch auf die Spitze getrieben. Als rastlose Körper sind die Protagonist*innen beständig auf der Suche nach sich selbst. Ihre Körper bestehen aus mehreren Identitäten, die dekonstruiert und neu zusammengesetzt werden können. Sie durchsuchen Schichten archäologischer Überreste und tauchen in riesige Meere fragmentierter Daten ein, wobei sie die jüngsten Vorhersagen über das Ende der Zeit mit den ältesten überlieferten Geschichten und den ersten Aufzeichnungen über Katastrophen, Naturzerstörung und soziale Unruhen zusammenführen. Dabei verfangen sie sich in einer Verflechtung antiker Mythen, in denen „heldenhafte“ Männer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und der Unsterblichkeit Landschaften, Tiere und weibliche Körper dominieren. Um sich aus dieser Erzählung zu befreien, sind sie gezwungen, Gesellschaft und Identität sowie die Bedeutung des Menschseins
neu zu definieren.

Sergiu Matis

Sergiu Matiş, geboren in Cluj-Napoca, Rumänien, begann seine berufliche Karriere am Tanztheater Nürnberg. Er lebt seit 2008 in Berlin und arbeitet mit Choreografen wie Colette Sadler, Yossi Berg, Philip Bergmann, Daniel Kok und Jee-Ae Lim zusammen. Er tanzt und arbeitet in mehreren Choreografien von Sasha Waltz & Guests (Dialoge: Neues Museum und MAXXI, Continu, Matsukaze und Sacre). Im Jahr 2014 absolvierte er sein Masterstudium Solo/Dance/Authorship (SODA) bei HZT Berlin und erhielt ein Stipendium der Deutschen Akademischen Stiftung. Seine Choreografien (Human Nature, Landing, ThreeDoors, Suche, 89. Grenzenlos, Ending-Dong, Doom Room, Duet, Keep it real, Expliziter Inhalt) wurden international in Radialsystem/Berlin, Kinitiras Studio/Athen, eXplore Dance Festival/Bukarest, Europäisches Festival für darstellende Kunst Timişoara/Rumänien, Internationales Festival dance.movement.theatre Gheorgheni/Rumänien, Das Nationale Tanzzentrum in Bukarest, Hebbel am Ufer Berlin, Antistatisches Festival/Sofia und Impulstanz Wien.
Uhrzeit und Ticketinformationen folgen demnächst.
Daten unter Vorbehalt.
Diese Aufführungen werden kofinanziert von apap Feminist Futures, einem Programm des Creative Europe Programms der Europäischen Union.