Tanzfabrik
Berlin
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Wedding 13
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13357 Berlin
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Studio 13: ecologies of practice

Talk + Practice (1) von Silke Bake, Alice Chauchat, Bettina Knaup, Siegmar Zacharias, Anna Nowicka, Maria F. Scaroni

Eine Recherche- und Gesprächsreihe mit vier Ausgaben von und mit Silke Bake, Alice Chauchat, Bettina Knaup, Siegmar Zacharias und Gästen.

Teil 1
Gastgeberin: Alice Chauchat. Gäste: Anna Nowicka (Tänzerin/Choreografin) und Maria F. Scaroni (Tänzerin/Choreografin).

In ihrer derzeitigen choreografischen Auseinandersetzung begreift Alice Chauchat Tanz als eine Praxis der Subjektivität. Hier wird das Individuum als ein poröses Wesen verstanden, das sich unablässig im Werden befindet, während es dynamisch mit seinem Umfeld verflochten ist. Notwendigerweise ist dies auch eine Praxis der Relationalität. Relational sein/ Bezogen sein impliziert das Leben mit Alterität/ Anderssein. Der/die/das Andere ist immer unbekannt und zwingt uns die Existenz einer Erfahrung anderer anzuerkennen, die nicht zwangsläufig (oder zur Gänze) von uns geteilt ist. Wenn Erfahrung ein Modus des Kennens/ Wissens ist, wie kann also das Nicht-Kennen/ -Wissen zu einem Bestandteil von Erfahrung werden? Kann Tanz der Tänzer*in helfen, verantwortungsvoll empfänglich auf etwas zu reagieren, das sie nicht kennt? Am Abend des 28. Novembers laden wir Sie/ Euch ein zu tanzen, zu sprechen und zusammenzusein mittels Tänzen oder Tanzpartituren, die vorgeschlagen werden von Alice Chauchat und zwei weiteren den Choreografinnen. Dieses Format betont den instabilen/ ‚schwankenden’ Charakter der „Person“ und ihrer Kapazität von ihrem Umfeld affiziert/ tangiert zu sein versus einer fantasierten „Autonomie“. Es wird Gelegenheiten geben zu erfahren, wie wir durch Bezüglichkeiten produziert werden und es wird Raum entstehen, Verbindungen einzugehen mit mehr als dem, was wir wissen können.
Es wird kein spezieller Tanzhintergrund benötigt, nur ein Körper, Neugierde und komfortable Anziehsachen.

In englischer Sprache. Dauer: ca. 180 Minuten

Zu Ecologies of practice
Ein anhaltender Zustand der Krise, wie wir ihn heute erleben, ein Zustand, der zu keiner alten Ordnung zurückführen kann, weder durch Abgrenzung/ Ausgrenzung, noch durch disziplinierendes Denken, erfordert eine globale politische Handlungsfähigkeit und eine soziale Imaginationskraft, die das Nicht-Bekannte aushält und ein relationales Verflochtensein zur Kenntnis nimmt. Diese erfordert radikale Offenheit, Lust am Nichtwissen, an Unsicherheit, eine spekulative Grundhaltung, eine Bereitschaft in nicht-menschlichen und nicht vertikalen Kategorien, Zeit- und Raumdimensionen zu denken. Klassische Ökologie ist die Lehre von den Umweltbeziehungen, von der Verteilung und Bewegung von Energie und Materie in einem ‚Haus(halt)’. Mittlerweile wird der Begriff erweitert verwendet - als Ökologie des Sozialen, der Umwelt und des Geistes. In 'ecologies of practices' werden unterschiedliche Gesprächs- und Arbeits-Settings ausprobiert. Silke Bake, Alice Chauchat, Bettina Knaup und Siegmar Zacharias, die alle vier im Feld der zeitgenössischen Performing Arts arbeiten, nehmen ihre Arbeitsinteressen und -zugänge zum Ausgangspunkt, um mit Gästen aus dem zeitgenössischen Tanz und anderen Disziplinen und Wissensgebieten nachzudenken: Kategorien der Ästhetik (Techniken/Technologien, Ethik/Praxis, Form/Format, Produkt/Prozess und Subjekt/Objekt/Agent) werden auf ihre vielfältiges Bedingt- und Verwobensein hin, auf ihre Bewegungen hin untersucht.

Konzept 2016/17: Silke Bake, Kuratorin/ Dramaturgin/ Mentorin; Alice Chauchat, Choreografin/Tänzerin/Lehrerin; Bettina Knaup, Kuratorin/Autorin; Siegmar Zacharias, Künstlerin/Theoretikerin.
STUDIO 13 wurde 2015 von den Kurator*innenn Silke Bake und Jacopo Lanteri initiert und bietet Berliner Akteur*Innen aus dem Umfeld der zeitgenössischen Performing Arts Raum für Austausch über künstlerische Methoden und Arbeitsschwerpunkte.

Silke Bake

Silke Bake lebt in Berlin und arbeitet als Kuratorin, Dramaturgin und Mentorin. Sie hat für verschiedene Institutionen (u.a. TAT Frankfurt, Hebbel-Theater, Tanzquartier Wien) gearbeitet und Programme für u.a. Haus der Kulturen der Welt und Akademie der Künste in Berlin, Kanuti Gildi Saal in Tallinn und Theaterformen Braunschweig/ Hannover realisiert. Sie war Dramaturgin und Projektleiterin des Performing Art Festivals IN TRANSIT am Haus der Kulturen der Welt 2008 & 2009, sie ko-kuratierte das biennale NU-Performance Festival On Hospitality im Rahmen des Europäischen Kulturhauptstadt- programms Tallinn 2011 (mit P. Stamer), performace platform. body affects an den Sophiensaelen Berlin 2012 (mit B. Knaup). Mit Kolleg*innen entwickelt und realisiert sie diskursive Formate wie z.B. „from dusk till dawn and further“ - eine 12-stündige Talkshow mit 24 Gästen bei ImpulsTanz Festival Vienna (mit P. Stamer), mehrstündige Diskursveranstaltungen wie der „Visionärer Widerstreit“ sowie die seriellen Gesprächs-/ Praxisformate „Let’s talk about work (and life)“ (mit J. Lanteri) und „Ecologies of practice“ (mit A. Chauchat, B. Knaup, S. Zacharias). Silke war die künstlerische Leiterin für das bienale Programm Tanznacht Berlin 2016 & 2018 und war 2018 Gastprofessorin am Masterstudienprogramm SODA des HZT in Berlin.

Alice Chauchat

Alice Chauchat ist Choreografin, Tänzerin, Assistentin, Lehrerin u.v.m. Zumeist choreografiert sie in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen und hat zahlreiche Plattformen für Produktion und Wissenstransfer in den darstellenden Künsten mitbegründet (everybodystoolbox, PAF, praticable). 2010-12 war sie künstlerische Ko-Leiterin von Les Laboratoires d'Aubervilliers. Seit einiger Zeit richtet sich ihr Arbeitsschwerpunkt auf die Umwandlung von Wissen und Komplexität kollaborativer Praxis in ästhetische Erfahrung. www.alicechauchat.net

Bettina Knaup

Bettina Knaup (Berlin) arbeitet international als Kuratorin und Kulturproduzentin an den Schnittstellen von Kunst, Politik und Wissensproduktion mit Schwerpunkt im Bereich Live Art, Performance und Gender. Sie studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Politikwis­senschaft und Gender Studies in Köln und Dortmund. Sie war Programmkoordinatorin des künstlerischen und wissenschaftlichen open space forum der Internationalen Frauenuni­versität, Hannover, Ko-Kuratorin des International Festival of Contemporary Arts, City of Women, Ljubljana und war am transdisziplinären Laboratium für Performancekünste In Transit (Berlin, Haus der Kulturen der Welt) beteiligt. Aktuellere Projekte umfassen die Performance Festivals Performing Proximities (Beursschouwburg, Brüssel) und performance platform. body affects (Sophiensaele Berlin, mit S. Bake) sowie das mehrjährige Ausstellungs- und Archivprojekt re.act.feminism #2 - a performing archive (Akademie der Künste Berlin, Antoni Tapies Foundation Barcelona, Tallinn Art Hall, a.o., 2011-2013, mit B. Stammer). Internationale Lehr- und Vortragstätigkeit sowie Jurymitgliedschaften, darunter Institut für Theaterwissenschaft, FU Berlin und Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz, Berlin. Seit Ende 2015 ist sie phd research fellow am Department of Drama, Theatre and Performance an der Roehampton University, London.

Siegmar Zacharias

Siegmar Zacharias entwickelt seit 2003 Formate von Multimedia-, Theater-, und Lecture-Performances, die sich mit der Position der Zuschauer*in, der Frage von Wirkungsmacht (agency), dem Kontrakt des „willful supspension of disbelief“ und der kritischen Substanz, die er erzeugt, beschäftigt. Sie bewe­gen sich zwischen DoItYourself Low-Tech und High-Tech, Philosophie und Sinnlichkeit, Humor und Labor. Sie ist Gründungsmitglied der Gruppe SXS Enterprise und Initiatorin von WOW-wir abeiten hier, eine Austausch- und Rechercheplattform für Performancekünstler*innen in Berlin.
Siegmar stu­dierte Philosophie und Komparatistik in Berlin und London und Performance Art bei DasArts Amsterdam. Sie unterrichtet u.a. am HZT Berlin, DOCH Stockholm und DasArts Amsterdam.
Mit ‚Dirty Talk’ entwickelt sie eine Praxis, die die Materialität des Sprechens erforscht. www.siegmarzacharias.com

Anna Nowicka

Anna Nowicka ist Tänzerin und Saphire®-Practitioner und verbindet in ihrer künstlerischen Forschung die Arbeit mit Bildern, Traumprinzipien und einem aufmerksamen Körper. Sie erweitert diesen kalei- doskopischen Ansatz im Rahmen ihrer Promotion an der polnischen Filmhochschule in Łódź. Annas Arbeit wurde mit dem DAAD-Preis, der Studienstiftung des Deutschen Volkes und dem Tanzstipen- dium der Stadt Berlin ausgezeichnet. Ihre Forschungsarbeit ist nur durch die kontinuierliche Unter- stützung der Art Stations Foundation in Posen möglich. Anna unterrichtete u.a. für Meg Stuart, Tanzfabrik, SMASH Berlin, HZT Berlin und für die Alternative Academy of Dance in der Art Stations Foundation in Poznań.  www.annanowicka.com

Maria F. Scaroni

Von italienischen Fernseh-Tanz-Produktionen bis hin zu release-basierten und postmodern Tanztechniken, von Kontaktimprovisation zum Literaturstudium und zur Auseinandersetzung mit Theorien – Maria Francesca Scaroni bewegt sich seit 1996 in dem komplexen Feld von Lernen und Tanz-Schaffen. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit dem Prozess der Zusammenarbeit, spielen mit durationalen Experimenten und sind gekennzeichnet von einer Mischung aus Performance, Choreografie und Installation. Seit einiger Zeit erkundet Scaroni Tanz als Form der Prophezeiung. Sie veranstaltete theatrale, installative und/oder durationale Events zusammen mit Jess Curtis („The Symmetry Project“), Vania Rovisco („The State of Things“, im Rahmen von AADK) und trifft seit 2014 Frank Willens in „Towards Another Miraculous“. Seit 2011 arbeitet und tourt Scaroni mit Meg Stuart/Damaged Goods („ Until Our Hearts Stop“, „Sketches/Notebook“, „Built To Last“) und teilt mit ihr und der Berliner Tanz-Community die Hingabe an die Kontaktimprovisation in performativen Events. Als Performerin war sie in Arbeiten von Tino Sehgal und von Berliner Künstler*innen zu sehen (wie z.B. Jeremy Wade, WILHELM GROENER, Hanna Hegenscheidt). Sie unterrichtet am HZT Berlin und ist aktiv in die Entwicklung alternativer Ausbildungsprogramme P.O.R.C.H. und Smash) eingebunden, in denen sie Methoden erarbeitet, die den Körper als Material betrachten. Mit Peter Pleyer initiiert sie Laboratorien, um die eigene Tanzlinie aufzuspüren, um an der Geschichte zu weben und Arbeiten aus der Judson und Post-Judson-Ära zu praktizieren. Sie hat einen Masterabschluss in neuer italienischer Literatur (Schwerpunkt Medien und Kommunikation) und einen Abschluss in Pädagogik und Tanz.

5 € (incl. Suppe/Snack)