Cenith Antonia Serrudo Ebrathwurde an einem prachtvollen 21. Juni geboren. Sie liebte den Karneval von Barranquilla und seine ausgelassene Freude. Von ihrem verwitweten Vater Antonio großgezogen, war sie eine der Serrudo-Schwestern, zusammen mit María und Dora Elena, die die Küche des Ranchito führten, ihres Hauses in San Roque, dem heutigen historischen Zentrum von Barranquilla. Dort perfektionierten sie die Kunst des caldero, des gusseisernen karibischen Kochtopfs, und verbanden das kubanische Erbe ihres Großvaters mit den arabischen Traditionen der Familie Ebrath. Daraus entstanden Kokosreis, Schwarzaugenbohnen und viele weitere Familiengerichte. Nach ihrer Heirat mit José Próspero Gómez und dem Umzug nach Bogotá brachte sie diese Aromen in ihr neues Zuhause. Als Mutter von sechs Kindern wurde sie verwitwet, als ihr jüngstes Kind erst fünf Jahre alt war. Sie nähte, verpfändete ihren Schmuck und verkaufte alle möglichen Waren, um ihre Kinder allein großzuziehen. Trotz aller Schwierigkeiten fehlte gutes Essen nie auf ihrem Tisch, und La Casa del Bosque stand stets allen offen.
Rosa Tulia García, „Madre Rosita“, wurde am 10. September 1933 in Chía, Cundinamarca, Kolumbien, geboren. Das Leben stellte sie schon früh auf die Probe: Mit 15 Jahren hinterließ eine Herzoperation eine Narbe, die sich von ihrer Brust bis zum Rücken zog, ein Zeichen, das sie still für den Rest ihres Lebens tragen sollte. In dieser Zeit gaben ihr ihre Großmutter Emperatriz und ihre Brüder Halt und umgaben sie mit Liebe und Fürsorge. Mit 20 Jahren heiratete sie aus Liebe und wurde Mutter von fünf Kindern, wenngleich sie eine Tochter durch Krankheit verlor. Ihre Ehe, die aus Zuneigung entstanden war, wurde zunehmend von den Misshandlungen ihres Ehemanns überschattet. Dennoch blieb sie ein sanfter Mensch und fand Freude am Schreiben, an Handarbeiten und an Fahrradausflügen. Seit den 1970er Jahren ließ die Gewalt ihr Lebenslicht nach und nach schwächer werden. Nach ihrer Scheidung lebte sie mit einer ihrer Töchter und ihrer Enkelin zusammen. Als ihre Gesundheit nachließ, konnte ihr Körper die Stärke ihres Herzens schließlich nicht mehr tragen, bis dieses am 30. Juli 2022 endgültig aufhörte zu schlagen.
Ana Lessing Menjibarist eine deutsch-spanische Performerin, Tänzerin, Choreografin und multidisziplinäre Künstlerin aus Berlin. Ihre interdisziplinäre Arbeit verbindet Körper mit Klang, Multimedia und skulpturalen Elementen als erweiterte choreografische Praxis und experimentiert mit dem transformativen Potential des Flamencos im Kontext von Performance und zeitgenössischem Tanz. Ihre Arbeit „Third Skin“(2023) ist eine poetische Reaktion auf die Öffnung ihrer Familiengeschichte und widmet sich den Kriegs- und Faschismuserlebnissen, kollektiven wie individuellen Wunden und Erfahrungen des politischen Widerstandes dreier Generationen. Ihre neue Arbeit „REMATAR“ wird im Februar 2027 im Radialsystem in Zusammenarbeit mit der Tanzfabrik Berlin Premiere feiern.
Luciane Ramos Silvaist eine brasilianische Anthropologin, darstellende Künstlerin und unabhängige Kuratorin. Sie ist Professorin am Institut für Körperkünste der Kunstfakultät der Universität von Campinas (UNICAMP). In ihrer akademischen und künstlerischen Praxis baut sie Süd-Süd-Beziehungen zu Westafrika auf – seit 2009 führt sie Feldforschung in Burkina Faso, Guinea Conakry und Senegal durch – und schreibt über Kolonialität und die schwarze Diaspora.
Andrea Parolinist Toningenieur, technischer Leiter und Sounddesigner. 2011 schloss er sein Studium an der Scuola Civica di Cinema, Televisione e nuovi Media in Mailand ab. Seit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2013 arbeitet er mit Choreograf*innen und Künstler*innen zusammen, darunter Thiago Granato, Sergiu Matis, Andrea Salustri, Mariagiulia Serantoni, Lina Gómez und Jefta Van Dinther.
Aduni Guedesist Perkussionist und Sänger aus dem Nordosten Brasiliens, der heute in Berlin lebt. In seiner Musik verbindet er traditionelle afro-brasilianische Klänge mit westafrikanischen und modernen Einflüssen. In Brasilien stand Aduni bereits mit mehreren großen Namen der brasilianischen Musikszene auf der Bühne, darunter Vitor Araújo, Grupo Höröyá, Ekò Afrobeat und Baby do Brasil (Novos Baianos).
Bruno Pocheronist international als freischaffender Licht-, Bühnen und Sounddesigner tätig. Er schafft performative Installationen auf der Grundlage seiner Lichtpraxis. Derzeit ist er an Bühnenprojekten mit Mette Edvardsen (Oslo), Stina Fors (Wien), Ted Hearne und Daniel Fish (USA), Lina Gómez (Berlin), Daphna Horenczyck (Wien), Rotraud Kern (Wien), Isabelle Schad (Berlin), Malte Schlösser (Berlin) beteiligt.
Reiner Törnerist ein in Berlin ansässiger Kostüm- und Modedesigner. In seiner Arbeit versteht er Kleidung als eine Sprache des Körpers und des Raums. Seine im engen Dialog mit der Bewegung entstandenen Arbeiten betrachten das Kostüm nicht als Schmuck, sondern als aktive Struktur innerhalb der Performance.
Thomas Schauppist Tanzdramaturg und Kurator. Seit 2010 arbeitet er international mit Choreograf*innen und Institutionen in Europa und darüber hinaus zusammen. Er ist regelmäßig als Berater in Mentoring-Programmen von choreografischen Institutionen und als Gastdozent an Akademien wie der Icelandic University of the Arts in Reykjavík tätig.