Es gibt Tage, an denen es unmöglich erscheint, noch länger durchzuhalten. Die Versuchung ist unwiderstehlich: die Tür zuschlagen, sich weigern, noch einen weiteren Kampf aufzunehmen, sich aus dem Gespräch zurückziehen, das Treffen absagen, die Social-Media-Accounts löschen. Gehen. Nein sagen zur (Kunst-)Welt, sich aus einem Projekt zurückziehen, sich weigern zu antworten. Eine ultimative Erleichterung: eine unerträgliche Last ein für alle Mal abzuschütteln. Wenn man die Dinge doch nur loslassen könnte. Wenn man es sich doch nur leisten könnte.
Dieser Vortrag untersucht die Potenziale und Paradoxien von Gesten des Rückzugs – und die Unmöglichkeiten des Loslassens. Kann Rückzug in diesen Zeiten der Erschöpfung zu einem Weg werden, die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, neu zu gestalten und damit den Weg für eine Suche nach erfüllenden künstlerischen und institutionellen Praktiken zu ebnen? Und wenn wir schließlich Auswege finden – wohin könnten diese tatsächlich führen?