Tanzfabrik
Berlin
Bühne
Bühne

R.E.D. Residenz-Künstler*innen

Jee Chan

 Seit 2015 habe ich eine Reihe von Arbeiten entwickelt, die auf der Beziehung meines Körpers zu verschiedenen anderen Wassergebilden basieren. Die Kontexte, in denen diese Serie angesiedelt ist, und die Beweggründe, die ihr zugrunde liegen, sind vielfältig. Aber in ihnen allen hallt die Erfahrung meiner Großmutter mütterlicherseits wider, die eine Seeüberfahrt unternahm, um vor einer japanischen Invasion ihrer Heimat in Guangzhou nach Singapur zu fliehen. In meiner aktuellen Praxis geht es darum, die Welt durch ozeanzentrierte Perspektiven neu zu denken, die sich von einem statischen Verständnis postkolonialer Identitäten und Territorien lösen. Während meines Aufenthalts in der Tanzfabrik werde ich meine Forschungen zu Mündlichkeit und verkörpertem Wissen in südostasiatischen Kontexten erweitern, v.a. durch die parallele Entwicklung von zwei choreografischen Projekten - bendungan und sea flights (beide landeten an einem Strand wie diesem). Ich werde dies gemeinsam mit Personen tun, die eine diasporische Geschichte haben, sowie mit spezifischen Orten in und um Berlin.

Biografie Jee Chan

Carrie McILwain

In der ersten Phase ihrer Residenz wird Carrie McILwain Klanglandschaften erforschen und mit erweiterten Vokaltechniken und Live-Aufnahmen arbeiten. In Zusammenarbeit mit Johanna Ackva und Amos Zielinski erkundet Carrie McILwain die klanglichen Atmosphären und Erfahrungen des „Hexensabbats" sowie einen Hexenzirkel als Chor und die Stimmen der Angeklagten und der Ankläger.

Biografie Carrie McILwain

Roger Sala Reyner

In ihrem Essay "The Carrier Bag Theory of Fiction" bezieht sich Ursula K. Le Guin auf Elizabeth Fishers Carrier Bag Theory of Human Evolution. In ihrem Buch  “Woman’s Creation: Sexual Evolution and the Shaping of Society" sagt Fisher: "Das erste kulturelle Utensil war wahrscheinlich ein Gefäß (...) ein Behälter zur Aufnahme gesammelter Produkte (...)". Und Le Guin führt weiter aus: "Ein Blatt, ein Kürbis, eine Muschel, ein Netz, ein Beutel, eine Schlinge, ein Sack, eine Flasche, ein Topf, eine Kiste, ein Behälter. Ein Halter. Ein Empfänger."

Ich habe vier Kollaborateur*innen, mit denen ich eine fortlaufende Arbeitsbeziehung habe, eingeladen, dieses Behältnis im Sinne der „Carrier Bag“, mit mir zu füllen: Jede*r von uns hat die Aufgabe, jeweils eine Woche im Studio zu kuratieren, d.h. 5 mal 5 Tage gegenseitiger Austausch, an dem sich auch Andere beteiligen werden. In der sechsten Woche der Residenz kommen wir wieder zusammen, um das Gesammelte gemeinsam anzuschauen. Anstatt ein scharfes Werkzeug zu sein, das eine Inszenierung herausschält, soll diese Residenz durch unsere sehr eigene und inkongruente gegenseitige Großherzigkeit ein weicher Behälter werden, eine fürsorgende und tragende Tasche, die weit genug ist, um alles aufzunehmen und zur Verfügung zu stellen, was wir bereit sind zu teilen und auf dem Weg zu finden. Darin werden wir lustvoll unsere Rollen tauschen und spielerisch das Unmischbare mischen, bis dem Schoß unserer unvorhersehbaren Ko-Kreation etwas Schönes entspringt.

Litó Walkey 

Meine Arbeit entwickelt sich kollaborativ durch Kreisläufe von interdisziplinären Prozessen und arbeitet mit Sprache und Schrift als Vermittlungsinstrumenten, die kollektive Prozesse nähren und Verdichtungen, Übersetzungen, Unterbrechungen und Verschiebungen von Ort, Sinngebung und Absicht stimulieren. Diese Residenz wird die Entwicklung meines Langzeit-Forschungsprojekts 'Critical Ecologies in Choreographic Practices' fördern, das sich mit alternativen Formen der Verbreitung kreativer Prozesse beschäftigt. Das Projekt zielt darauf ab, öffentliche Räume für kritisches Denken und Experimentieren zu schaffen, die nicht an eine einzelne Autorenschaft, Disziplin oder einen Terminus gebunden sind. Im diskursiven und praktischen Austausch mit in Berlin lebenden Kolleg*innen wird untersucht, wie die Praxis des Publizierens, Kuratierens und das Aufnehmen von Audiospuren das partizipatorische Engagement fördern können. Ergänzt wird dies durch den Dialog mit der Autorin/Künstlerin/Verlegerin Renee Gladman, dem Musiker/Komponisten Boris Hauf und der bildenden Künstlerin/Set-Designerin Nadia Lauro.

Biografie Litó Walkey